„Das vorliegende Konzept wird eine gute Grundlage für die in unserer Gemeinde zu treffenden Entscheidungen der kommenden Jahrzehnte sein. Niemand kann sich heute leisten, wichtige Fragen aus der Einzelsituation zu entscheiden. Notwendig ist die Betrachtung und Einordnung aller Einzelfragen in ein Gesamtkonzept. Wir hoffen daher, daß sich der Entwicklungsplan ebenso wirkungsvoll und belebend auf die zu entscheidenden Fragen innerhalb unserer Gemeinde auswirken wird wie die Planungen für den engeren Ortskern.“

Entscheidungen zu Einzelsituationen, wie sie Günter Schmitt vor 40 Jahren ansprach, sollten in einem Gesamtkonzept eingeordnet sein. Das trifft nicht nur auf die jüngsten Immobilienerwerbe der Gemeinde wie ehemaliges Hotel Schäfer, Gaststätte Blechkopp (früher Kastanienwirt Arthur Reichwein) und ehemalige Drogerie Schollmayer in unmittelbarer Nachbarschaft sowie der Bereich rund um die Bachgasse 22 zu, sondern auch auf frühere Grundstücksgeschäfte. Sie liegen lange zurück. Als Beispiele sind Anfang der 1950er Jahre der Erwerb der Grundstücke in der Hadamarer Straße 3 ehemals Zimmerplatz Berneiser (Wuiste) zu erwähnen. Dort hatten die Elzer ihre Freude am Kirmesplatz mit Autoscooter und Schießbude, heute sind dort Teile der neuen Schule und des Neubaues der Erlenbach-Sporthalle zu besichtigen.

Es folgten vor 50 Jahren der Kauf des Saalbaues Berneiser, wo heute das Bürgerhaus steht. Die ehemalige Schreinerei Müller am Hirtenplatz mit dem Fachwerkhaus, dem heutigen Rats-Cafe, machte Platz frei für den neuen Rathausplatz und den Rathausanbau. Der Kauf des Fachwerkhauses Loer in der Pfortenstraße und angrenzender Grundstücke ermöglichten für den Geschichtsverein die Einrichtung des Museums und des Backes sowie für die Bürger den großzügigen Zugang zum Kindergarten. Mit dem Kauf des Bahnhofes sicherte sich die Gemeinde die Möglichkeit, das Objekt an einen Investor weiter zu veräußern, der im Sinne der Gemeinde die dörfliche Infrastruktur weiter entwickelte.

Gleichgelagert sind die angestrebten Ziele mit der „Neuen Mitte“. Die Grunderwerbe sind dafür die Voraussetzungen, diese Projektentwicklern anzubieten. Zu Beginn des neuen Jahres 2021 liegen vier Bewerbungen von Interessenten vor, die allesamt in den Plänen die von der Gemeinde gewünschte Kombination aus Gastronomie, Hotel, Gewerbe, Wohnen, Grünflächen und Parkplätzen mehr oder weniger stark ausgeprägt haben. Das Interesse an diesem Standort im Ortskern ist jedenfalls groß. Das Jahr 2021 wird noch viel Diskussionsstoff in den politischen Gremien; in der Ortskernkommission und in der Bürgerschaft liefern, welche Pläne letztlich für die Gemeindevertretung entscheidungsreif sind.

Zur aktuellen Zielsetzung der Gemeinde gehört auch die Überlegung, einen weitgehend begrünten Weg für Fußgänger von der Weberstraße, an der bebauten Rückseite zur Rathausstraße am Bürgerhaus vorbei, bis zur Pfarrkirche zu schaffen. Dazu gehört noch der Erwerb eines Gartengrundstückes im Bereich Rathausstraße. Die Forderungen des Eigentümers übersteigen aber bei weitem den von der Gemeinde akzeptierten Marktwert. Dieses fußläufige „Grüne Band“, so erinnert sich heute der damalige Bürgermeister Günter Schmitt, wurde in seiner Amtszeit zwischen 1974 und 1981, als Wunschprojekt genannt. So ist im Dorfentwicklungsplan vor 40 Jahren bereits der noch im Jahr 2021 zu bauende Parkplatz im Bereich Bachgasse 22 als mögliche Ruhezone mit Treffpunkten sowie Fußwegen vermerkt.

Einkaufsband in der Rathausstraße

Die Ortskernkommission empfahl die Neugestaltung des Bachlaufes Erbach mit offener Wasserführung. Der Schwerpunkt der geschäftlichen Entwicklung liege in der Rathausstraße. Dieser Bereich solle zu einem Einkaufsband verdichtet werden. Die Bebauung und Gestaltung des Rathausplatzes unter Einbeziehung der alten Fachwerkhäuser wurde ebenso als wichtigste Frage der Dorfentwicklung eingestuft wie Begrünung und Pflanzen von Bäumen sowie die Bepflasterung von Lehrgasse und Bachgasse.

Der seit 1980 vorliegende Dorfentwicklungsplan für das gesamte Gemeindegebiet war in Zusammenarbeit mit dem Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung Limburg, dem Büro für regionale Strukturforschung und Wirtschaftsplanung Dr. Nordmann in Wiesbaden sowie der Planungsgemeinschaft Rittmansperger und Partner in Darmstadt aufgestellt worden. Im Jahr 1978 wurde der Gemeindevertretung nach eingehenden Diskussionen mit den Fraktionen, der Ortskernkommission und in Bürgerversammlungen der Entwicklungsplan für den engeren Ortskern vorgelegt. Wie vor 40 Jahren ist auch heute die Debatte zur Umsetzung der „Neuen Mitte“ breit angelegt.

Günter Schmitt erinnert auch an die Diskussion um den Bau des Bürgerhauses. Im Januar 1980 erfolgte der erste Spatenstich und im Oktober 1981 fand die feierliche Eröffnung statt. Geplant hatte das Bauwerk nach dem Gewinn eines Architektenwettbewerbes Architekt Robert Kämpf, die Bauleitung übertrug die Gemeinde dem Elzer Architekten Herbert Berneiser. Das Bürgerhaus am Standort des Saalbaues Berneiser (ehemalige Besitzer Hase Jakob und Hase Adolf) in der Lehrgasse zu bauen, war nicht unumstritten. Ein Gelände an der Reithalle sowie die ehemalige Ziegelei Eufinger in der Hadamarer Straße waren mögliche Alternativen. Für den Standort Lehrgasse spricht Günter Schmitt auch 40 Jahre danach von einer richtigen und guten Entscheidung. Ebenso gelungen wie attraktiv sei die Einordnung in das Ortsbild wie die innere Gestaltung. Das Bürgerhaus stärke die Mitte des Dorfes, so Schmitt. Wie im Dorfentwicklungsplan vorgeschlagen, habe die Gemeinde in all den nachfolgenden Jahren die Sanierung von Fachwerkhäusern angepackt und dazu auch Fördergelder erhalten. Die Gräbengasse sei verkehrsberuhigt ausgebaut worden, die Restaurierung von Johanniskapelle und Johannisbrunnen wurde mit Zuschüssen belohnt und nach Grunderwerb war der Bau von Parkplätzen in der Bachgasse und Langgasse möglich.

Bernd Lormann